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Ein Instrument, das „in die Jahre kommt“, bedarf der Revision. Welcher Aufwand aber sinnvoll und vonnöten ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab. In den meisten Fällen überarbeiten unsere Klavierbauer Instrumente, die infolge leidenschaftlichen Spiels doch eher mehr als weniger abgenutzt wurden. Das Spektrum reicht von der Kleinrevision (Neuformen der Hammerköpfe, Regulation der Mechanik, Stimmung und Intonation) bis zur Komplettrevision mit Neubesaitung. Das Ziel hierbei ist, die optische und akustische Neuwertigkeit zu erhalten bzw. wieder herzustellen. Solche Reparaturen auf höchstem Niveau auszuführen, ist die Kernaufgabe und Kernkompetenz unserer Pianowerkstätten.
Natürlich gibt es auch Erbstücke, die in Würdigung des Vorbesitzers erhalten und gepflegt werden sollen, obwohl sie qualitativ nicht mit neuen Instrumenten verglichen werden können. Bei der hierfür zum Einsatz kommenden „stilgerechten Reparatur“ wird die Originalsubstanz so weit als möglich erhalten und es werden neue Teile nur nach Vorlage des Originals hergestellt und eingesetzt. Schätze mit besonders schönen Gehäusen können als bewundernswerte Zeugnisse des Klavierbauerhandwerks durch unsere Fachleute durchaus spielbar-, oder durch den Einbau eines gänzlich neuen Innenlebens auch pianistisch komplett nutzbar gemacht werden. Nicht selten jedoch bereitet die Neuanschaffung (auch langfristig gesehen) mehr Freude beim Klavierspiel.
Anlässlich einer Restaurierung werden durch den Erhalt der Originalsubstanz vor allem Kenntnisse gesichert: Kenntnisse über historische Handwerkstechniken, musikalische Gewohnheiten, die Aufführungspraxis, die Stimmtonhöhen oder kulturgeschichtliche Zusammenhänge. Diese Kenntnisse werden von Musikwissenschaftlern, Instrumentenkundlern und Organologen zusammen getragen und der Öffentlichkeit in Form von Publikationen zur Verfügung gestellt.
So wurden uns Instrumente zur Begutachtung anvertraut, die so, wie sie waren, an spezialisierte Museen weiter empfohlen werden konnten, wie z.B. ein Quer-Hammerflügel von Christoph Gottlob Hubert aus dem späten 18. Jahrhundert oder ein Claviorganum mit sowohl Hammer- als auch Tangentenmechanik von 1760. Wenn es darum geht, eine Vorstellung vom Klangcharakter solcher Kostbarkeiten zu entwickeln, ist die Anfertigung von Kopien die sowohl musikalisch als auch restauratorisch vertretbarste Lösung.
Das ganze Spektrum des Klavierbaus kann anlässlich von Werkstattführungen erfahrbar werden und vielleicht hört man bei dieser Gelegenheit einen Klavierbauer von der Restaurierung des Konzertflügels Sergej Rachmaninoffs berichten - mit einer sehr eigenwilligen Sonderausstattung hinsichtlich Klangfarbe und Spielart.
Für Pianisten, denen moderne Instrumente mehr am Herzen liegen, kann die Diskussion mit unseren Konzerttechnikern besonders aufschlussreich sein. Schulklassen hingegen staunen vor allem beim Blick über die Schulter der Klavierbauer.
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