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Die Geschichte der Firma Musik Hug, 1807–2007

Der Ursprung im Musizieren

Hans Georg Nägeli
(1773 - 1836)
Jakob Christoph Hug
(1776 - 1855)
Stellen wir uns ein familiär-freundschaftliches Musizieren vor, in einem Bürgershaus kurz nach 1800, in Thalwil oder Zürich. Man singt, spielt auf der Harfe oder dem Hammerklavier, plaudert dazwischen, tauscht Ideen aus. Die Zeit ist im Umbruch, in diesem von Napoleon dominierten Europa, aber auch in der Schweiz. Neue Weltbilder entstehen, selbst im Kleinen, etwa in der Pädagogik: Johann Heinrich Pestalozzi sucht alternative Wege der Menschenbildung. Und in der Musik bricht nach Mozarts Tod und mit den forschen Talenten wie Ludwig van Beethoven eine neue Epoche an, es gibt vieles zu entdecken.

In unserer Musikgruppe sitzen zum Beispiel ein Pfarrer und seine Frau. Pfarrer Jakob Christoph Hug, geboren 1776 in Zürich, wirkt seit 1798 in Thalwil; seine Frau Barbara Schulthess ist die Nichte von Pestalozzis Gattin. Und mit ihnen ist ein junger Feuer- kopf, der wunderbar Harfe spielt und die Damen entzückt: Hans Georg Nägeli, geboren 1773. Er stammt aus Wetzikon und kommt 1790 mit wenig Geld nach Zürich, er begeist rt sich sogleich für die Musik und eröffnet bereits 1791 an der Augustinergasse – mit dem Zustupf von Gönnern – eine Musikalien- Handlung und Leihbibliothek, die erste ihrer Art in der Schweiz.

Aber mehr noch: Der Erfolg seines Liedes „Freut euch des Lebens“ (er hat es nicht wirklich selber komponiert, sondern aus anderen Stücken zusammengestellt) beflügelt ihn: Er gründet 1794 auch einen Verlag – und hat auch schon hochfliegende Pläne, was er dort publizieren möchte. Erst einmal freilich binden ihm die Koalitionskriege die Hände, infolge derer es 1799 auch in der Nähe von Zürich zu Kämpfen zwischen französischen und russisch-österreichischen Truppen kommt.

Nach 1800 aber macht er sich mit vollem Elan ans Werk. So kann er bald in seinem Répertoire des Clavecinistes neue Sonaten von Muzio Clementi und Ludwig van Beethoven anbieten. Sein Catalogus neuer Musikalien ist ein Spiegel der zeitgenössischen Musik. In seiner zweiten Editionsreihe aber – dem Musikalischen Kunstwerk der strengen Schreibart – verwirklicht r einen Traum: er publiziert 1801 erstmals – gleichzeitig mit Verlagen in Paris, Bonn und Leipzig – Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertes Klavier. Dieser Pionierleistung lässt er bald Bachs Goldberg-Variationen, Die Kunst der Fuge, die sechs Violinsonaten und die sechs Orgeltrios folgen. Auf Bach, diesen „musikalischen Riesen“, wie Nägeli schreibt, will er seinen Verlag gründen, auf einen Meister also, der unter Komponisten wohlbekannt, beim breiten Publikum aber noch ungeliebt ist und den es wiederzuentdecken gilt.

Solch grosse Leistungen, denen Nägeli später andere folgen lassen wird, bringen ihm zwar internationales Renommee ein, sind aber im Gegensatz zum Musikaliengeschäft nicht besonders lukrativ. Kommt hinzu, dass Nägeli auch noch auf anderen Gebieten rege tätig ist. So gründet er 1805 das Zürcherische Singinstitut, das erste in der Stadt, er engagiert sich für das Singen und gibt 1810 zusammen mit Michael Traugott Pfeiffer eine Gesangsbildungslehre nach Pestalozzischen Grundsätzen pädagogisch begrü det heraus, die sogleich Erfolg hat und mehrere Auflagen erlebt. Es sind beides Taten, die dem Chorwesen in der Schweiz – und darüber hinaus – enormen Antrieb verleihen werden und für die Nägeli zu Recht den Ehrentitel „Sängervater“ erhält.
 
Musik Hug